All das führt dazu, dass in den nächsten Jahren eine enorme Verdrängung im Handel stattfinden wird. Es kämpft nicht mehr Händler A gegen Händler B, sondern Systemgruppe A gegen Systemgruppe B, Filialsystem X gegen Franchisesystem Y. Außerdem kommt es zu einem scharfen Wettbewerb zwischen den Branchen, denn wer ein neues Auto kauft, lässt andere Ausgaben wie die für neue Möbel erstmal links liegen; wer in den Urlaub fährt, verschiebt die Renovierung des Wohnzimmers. Und wer ins Ausland in den Urlaub fährt, kauft auch dort ein, weil zum Beispiel Kleidung interessanter oder sogar billiger zu haben ist. Der Innerbranchen-Wettbewerb wird durch Interbranchenwettbewerb, der nationale durch den internationalen Wettbewerb erweitert. Außerdem verschärft die Industrie den Druck auf den Handel, indem sie durch vorwärtsgerichtete Vertikalisierung selbst verkauft: Hersteller wie Gerry Weber haben früher zu 100 Prozent über den Handel ihre Produkte vertrieben, heute gerade noch zu etwa 50 Prozent und in zehn Jahren vielleicht nur noch zu 10 Prozent.


Wer in dieser Situation als Händler überleben will, muss sich „vom Rest der Welt“ unterscheiden – er muss differenziert auftreten und dazu bedarf es innovativer Überlegungen.

Was sind nun die Methoden, die Erfolgsstrategien, die einzelne Unternehmen nach vorne bringen können? Denn aufgrund der mangelnden Nachfrage seitens der Bevölkerung, die ihre Ursache in der geringen Nettorealeinkommenssteigerung, sinkender Einwohnerzahl und dem enormen Drift in Richtung Dienstleistungen hat, ist mit einer generellen Branchenkonjunktur des Handels in Deutschland für die nächsten zehn Jahre nicht mehr zu rechnen. Nur Firmenkonjunkturen werden einzelne Unternehmen nach vorne bringen können.

Seitenübersicht:

1 | 2 | 3 | 4 | 5

6 | 7 | 8 | 9 | 10

 

1. Kapitel

2. Kapitel